Softwareentwicklung 2027: was sich durch KI für Auftraggeber ändert
In der Softwareentwicklung 2027 übernehmen KI-Werkzeuge einen wachsenden Teil der Programmierarbeit, und eigene Software wird damit auch für kleine und mittlere Betriebe erreichbarer. Im DORA-Bericht 2025 von Google gaben 90 Prozent von fast 5.000 befragten Fachleuten an, KI bei der Arbeit zu nutzen. Der Aufwand wandert vom Schreiben des Codes zum Verstehen des Ablaufs, und Tests wiegen schwerer als früher.
Was KI-Werkzeuge an der Entwicklung ändern
Vor einigen Jahren half KI beim Programmieren vor allem mit Vorschlägen für die nächste Zeile. Heute schreiben sogenannte Coding-Agenten ganze Funktionen samt Tests, während der Entwickler die Aufgabe beschreibt und das Ergebnis prüft. Im Stack Overflow Developer Survey 2026 mit über 30.000 Antworten gaben 66 Prozent an, Coding-Assistenten oder Coding-Agenten zu nutzen. Von ihnen arbeiten 73 Prozent täglich damit.
Für Sie als Auftraggeber macht sich das vor allem so bemerkbar:
- Prototypen kommen früher: Eine klickbare erste Fassung ist schneller gebaut. Ihr Team kann damit echte Fälle durchspielen, bevor viel Budget im Projekt steckt.
- Kleine Teams übernehmen größere Projekte: Wofür früher mehrere Entwickler nötig waren, schafft heute oft ein kleines Team. Sie sprechen dann eher direkt mit den Leuten, die bauen.
- Nachbessern wird leichter: Fehlt eine Funktion, ist sie schneller ergänzt, sofern der Code ordentlich aufgebaut und getestet ist.
Ob das Ergebnis dadurch besser wird, hängt vom Team ab. Der DORA-Bericht 2025 fasst seine Ergebnisse so zusammen: KI repariert kein Team, sie verstärkt, was schon da ist. Laut Bericht hängt der Einsatz von KI mit mehr ausgelieferter Software zusammen, weiterhin aber auch mit weniger stabilen Auslieferungen. Ohne automatische Tests und eine saubere Versionsverwaltung führen mehr Änderungen zu mehr Instabilität, so die Autoren.
Wohin sich die Kosten mit KI verschieben
Das Programmieren war lange der größte Posten in einem Softwareprojekt. Dieser Teil schrumpft. Die übrigen Teile bleiben, und manche werden wichtiger, weil in kürzerer Zeit mehr Code entsteht, den jemand prüfen muss.
| Teil des Projekts | Was KI-Werkzeuge daran ändern |
|---|---|
| Ablauf verstehen | Wenig. Jemand muss mit Ihrem Team die Sonderfälle finden und festlegen, was die Software können soll und was bewusst nicht. |
| Programmieren | Am meisten. Einen großen Teil des Codes schreibt das Werkzeug, der Entwickler beschreibt die Aufgabe und korrigiert das Ergebnis. |
| Testen | Es wird wichtiger. KI-Code kann richtig aussehen und trotzdem an Randfällen scheitern. Automatische Tests prüfen das bei jeder Änderung neu. |
| Einführung im Team | Kaum etwas. Ob die Software genutzt wird, entscheidet sich bei den Leuten, die damit arbeiten. Dazu gehört Change Management bei der Softwareeinführung. |
| Betrieb und Wartung | Updates, Sicherheitslücken in verwendeten Bibliotheken, Backups und Störungen fallen weiter an. KI hilft beim Beheben, die Verantwortung bleibt bei Menschen. |
Im Stack Overflow Developer Survey 2025 nannten 66 Prozent der Befragten als größtes Ärgernis KI-Lösungen, die „fast richtig, aber eben nicht ganz“ sind. Solche Fehler fallen in einer Vorführung selten auf. Man findet sie mit Tests, die gezielt die unbequemen Fälle durchspielen.
Lohnt sich eigene Software jetzt auch für kleine Betriebe?
Für mehr Betriebe als früher, wenn auch nicht für jeden Ablauf. Bei einem Betrieb mit 15 oder 30 Leuten lief die Rechnung früher selten auf eigene Software hinaus. Der Bau war zu aufwendig für einen Ablauf, den es nur in diesem einen Betrieb so gibt. Also blieb es bei Standardsoftware, ergänzt um Excel-Listen und Zettel.
Wenn das Programmieren weniger Zeit braucht, verschiebt sich diese Rechnung. Abläufe, für die es keinen passenden Markt gibt, rücken in Reichweite: die Prüfliste, die nur Ihr Betrieb so führt, oder die Einsatzplanung mit Ihren eigenen Sonderregeln. Ein häufiger Einstieg ist eine gewachsene Tabelle, die mehrere Leute gleichzeitig pflegen und die niemand mehr ganz überblickt. Wie so eine Ablösung aussieht, beschreiben wir unter Excel durch Web-App ersetzen.
Eher passend ist eigene Software, wenn Ihr Ablauf von dem abweicht, was Standardprogramme vorsehen, oder wenn Angaben im Alltag mehrfach abgetippt werden. Eher nicht passend ist sie, wenn ein verbreitetes Werkzeug den Ablauf schon gut abdeckt oder wenn im Betrieb niemand Zeit hat, Fragen zu beantworten und Zwischenstände auszuprobieren. Ohne diese Zeit wird auch mit KI keine gute Software daraus. Vor der Entscheidung hilft der Software-Realitätscheck mit zwölf Fragen.
Worauf Sie achten sollten, wenn Sie 2027 Software entwickeln lassen
- Festpreis oder Stunden: Beides ist üblich und kann passen. Ein Festpreis setzt einen schriftlich festgelegten Umfang voraus, lesen Sie also genau, was darin steht und was fehlt. Bei Abrechnung nach Stunden hilft eine Schätzung mit Obergrenze. Klären Sie in beiden Fällen, wie Änderungswünsche während des Projekts behandelt werden.
- Wer den Ablauf versteht: Fragen Sie, wer vor dem Bau mit Ihrem Team spricht und wie viel Zeit dafür eingeplant ist. Steht dazu nichts im Angebot, fragen Sie nach.
- Code und Nutzungsrechte: Lassen Sie schriftlich festhalten, dass Sie den Quellcode bekommen, etwa in einem eigenen Repository, und welche Nutzungsrechte Sie daran erhalten. Eingesetzte Open-Source-Bausteine behalten ihre eigene Lizenz.
- Einsatz von KI: Die Kanzlei Heuking empfiehlt in einem Fachbeitrag vom 12. Oktober 2026, in Verträgen mit Entwicklungsdienstleistern zu regeln, ob und wie weit KI eingesetzt werden darf und wer das Risiko trägt, falls Rechte Dritter verletzt sind.
- Tests: Gehören automatische Tests zum Lieferumfang? Prüft ein Mensch jede Änderung, bevor sie live geht?
- Wartung: Wer spielt Updates ein und reagiert auf Störungen, und was kostet das im Monat? Klären Sie auch, was passiert, wenn Sie die Betreuung beenden, und ob Sie dann Zugänge und Dokumentation in der Hand haben.
- Sicherheit: Wo läuft die Software, wer hat Zugriff, wie werden Passwörter und Zugangsschlüssel verwahrt, und gibt es Backups, die auch einmal zurückgespielt wurden?
- Datenschutz: Fragen Sie, welche KI-Werkzeuge in der Entwicklung laufen und ob dabei Daten aus Ihrem Betrieb, etwa Kundendaten in Testbeständen, an einen KI-Anbieter gehen. Dann braucht es in der Regel einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Mehr dazu in unserem Leitfaden zu DSGVO-konformer KI im Mittelstand.
Risiken bei schnell gebauter Software
Code ohne Tests. Eine Vorführung zeigt, dass der gewünschte Fall funktioniert. Was bei falschen Eingaben oder einer ausgefallenen Schnittstelle passiert, sieht man dort selten. Gerade weil KI-Werkzeuge in kurzer Zeit viel Code erzeugen, sollten automatische Tests bei jeder Änderung prüfen, ob das Bestehende noch funktioniert.
Sicherheitslücken. Für den GenAI Code Security Report vom 30. Juli 2025 hat Veracode mehr als 100 Sprachmodelle mit 80 Programmieraufgaben getestet. Hatten die Modelle die Wahl zwischen einer sicheren und einer unsicheren Lösung, wählten sie in 45 Prozent der Fälle die unsichere. Ein Mensch, der den Code liest, und automatische Sicherheitsprüfungen gehören deshalb in jedes Projekt.
Abhängigkeit von einem Anbieter. Liegt der Code auf den Konten des Entwicklers und weiß nur er, wie die Software aufgebaut ist, wird jeder Wechsel mühsam. Daran ändert schnelle Entwicklung nichts. Es hilft, wenn Code und Zugänge bei Ihnen liegen und eine kurze Dokumentation existiert. Verbreitete Technik macht einen späteren Wechsel ebenfalls leichter.
Urheberrecht an KI-Code. Hier ist vieles noch nicht abschließend geklärt. Nach deutschem Recht ist Urheber der Schöpfer des Werkes, und Computerprogramme sind geschützt, wenn sie eine eigene geistige Schöpfung sind. Code, den eine KI vollständig allein erzeugt hat, gilt deshalb nach verbreiteter Auffassung als nicht geschützt. So sieht es auch der genannte Heuking-Beitrag, der zudem auf ein zweites Risiko hinweist: Ein Modell kann fremden Open-Source-Code wiedergeben, ohne den nötigen Lizenzhinweis. Für Sie heißt das vor allem, die Punkte aus dem Abschnitt zu Angeboten in den Vertrag zu schreiben und im Zweifel rechtlich prüfen zu lassen. Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung.
Ausblick 2027: Trends bei Individualsoftware
Was folgt, ist unsere Einschätzung, Stand November 2026.
Coding-Agenten werden 2027 wahrscheinlich größere zusammenhängende Aufgaben übernehmen, etwa eine Funktion von der Datenbank bis zur Oberfläche, samt Tests. Die Arbeit von Entwicklern verlagert sich damit weiter zum Beschreiben der Aufgabe und zum Prüfen des Ergebnisses.
Wir erwarten mehr kleine Anwendungen für einzelne Abläufe in einzelnen Betrieben. Vieles davon hätte sich vor ein paar Jahren nicht gelohnt: die kleine Freigabe-App statt Mails, die hin- und hergehen, oder die Übersicht für den Außendienst, die heute aus drei Programmen zusammengesucht wird.
Menschen bleiben für die Anforderungen und die Prüfung zuständig, und sie tragen die Verantwortung, wenn etwas schiefgeht. Dazu passt eine Zahl aus dem Stack Overflow Developer Survey 2026: 48 Prozent der Befragten vertrauen KI-Ergebnissen dann, wenn sie sich leicht überprüfen lassen. Auch rechtlich wird die Verantwortung genauer gefasst. Ab dem 11. Dezember 2027 gelten die Hauptpflichten des Cyber Resilience Act der EU für Produkte mit digitalen Elementen. Ob eine Software, die nur in Ihrem Betrieb läuft, darunter fällt, ist eine Frage des Einzelfalls.
Wie AUGH Consulting damit arbeitet
Hinter AUGH Consulting stehen zwei Gründer, Louis Lazay und Sander Jay Behrens. Wir entwickeln selbst mit KI-Werkzeugen und sehen dadurch im eigenen Alltag, welche Teile damit schneller gehen und wo die Werkzeuge danebenliegen. Auf der Seite Wie wir arbeiten haben wir beschrieben, warum wir den Engpass inzwischen weniger beim Programmieren sehen und mehr bei der Frage, was gebaut werden soll. Deshalb nehmen wir uns vor dem Bau Zeit für Ihren Ablauf und schauen ihn von außen an, ohne die Gewohnheiten, die sich im Alltag eingeschliffen haben.
Der Preis steht vor Projektstart als Festpreis fest, und der Code gehört danach Ihnen. Fehlt nach dem Start eine Funktion, ergänzen wir sie als kleinen Folgeauftrag zum Festpreis oder im Rahmen der Betreuung. Bei Software, die wir für Sie gebaut haben, dauert eine kleine Erweiterung oft nur wenige Tage. Welche Art von Anwendungen wir bauen, zeigt die Seite zu Individualsoftware in Stuttgart.
Wenn Sie überlegen, einen Ablauf in eigene Software zu übertragen, bringen Sie ins Erstgespräch am besten ein Beispiel aus den letzten Wochen mit, bei dem es gehakt hat.
Häufige Fragen
Wird Software durch KI billiger?
Festpreis oder Abrechnung nach Stunden: Was passt besser?
Wem gehört Code, den eine KI geschrieben hat?
Woran erkenne ich, ob schnell gebauter Code solide ist?
Stand November 2026. Der Ausblick auf 2027 ist unsere Einschätzung. Zahlen aus dem DORA-Bericht 2025 (Google Cloud, veröffentlicht am 24. September 2025), dem Stack Overflow Developer Survey 2025 (29. Juli 2025) und 2026 (6. Oktober 2026) sowie dem Veracode GenAI Code Security Report (30. Juli 2025), alle abgerufen am 3. November 2026. Gesetzestexte nach gesetze-im-internet.de, Fristen des Cyber Resilience Act laut EU-Kommission. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.