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Was kostet KI im Betrieb? Ein Rechenbeispiel aus einem Kundenprojekt

Louis Lazay · November 2026

Die laufenden Kosten für KI sind in vielen Abläufen kleiner, als man erwartet: Im Online-Schaufenster eines Optikergeschäfts kostet die automatische Erfassung einer Brillenfassung mit Freistellen, Texterkennung und Beschreibung zusammen rund einen halben Cent. Der größere Posten ist die Einrichtung, nicht der laufende Betrieb.

Das Beispiel

Im Laden fotografiert die Optikerin eine neue Fassung zweimal mit dem Handy: von vorn und die Innenseite des Bügels. Danach laufen drei KI-Schritte, bevor sie die Fassung prüft und ins Schaufenster stellt:

SchrittDienstKosten pro Fassung
Frontfoto freistellenBiRefNet über Replicaterund 0,35 Cent
Bügel lesen: Marke, Modell, GrößeMistral Mediumrund 0,1 Cent
Kurzbeschreibung schreibenMistral Mediumrund 0,1 Cent
zusammenrund 0,55 Cent

Die Werte stammen aus unseren Tests mit 120 Fotos zum Freistellen und 54 Fotos zur Texterkennung. Die Kosten der Sprachmodelle haben wir nach dem Token-Verbrauch geschätzt.

Wie KI-Dienste abrechnen

  • Nach Rechenzeit: Bildmodelle wie BiRefNet laufen bei Replicate auf gemieteten Grafikkarten, bezahlt wird pro Sekunde. Ein Foto braucht 2 bis 4 Sekunden.
  • Nach Tokens: Sprachmodelle rechnen nach verarbeiteten Textbausteinen ab, getrennt nach Eingabe und Ausgabe. Ein Foto zählt bei Mistral Medium wie rund 1.800 Eingabe-Tokens.
  • Guthaben im Voraus: Replicate verlangt aufgeladenes Guthaben, eine hinterlegte Karte allein reicht nicht. Mit weniger als 5 US-Dollar Guthaben werden Aufträge auf 6 pro Minute gebremst.
  • Keine Grundgebühr: Für Abläufe dieser Größe braucht es kein monatliches Abo.

Hochgerechnet

MengeKI-Kosten
100 Fassungenrund 55 Cent
1.000 Fassungenrund 5,50 Euro
10.000 Fassungenrund 55 Euro

Selbst bei großen Mengen bleibt die KI ein kleiner Posten.

Wo die eigentlichen Kosten liegen

Der größere Teil steckt in der Einrichtung: den Ablauf so bauen, dass er zum Betrieb passt, die Ergebnisse prüfbar machen und das Team einweisen. Eine KI, die niemand nutzt, ist teurer als eine, die pro Aufruf etwas mehr kostet. Deshalb planen wir die Einführung von Anfang an mit, gemeinsam mit Psychologen, mit denen wir beim Change Management für neue Software zusammenarbeiten.

Warum unsere Kunden eigene Konten bekommen

Laufende Kosten für KI-Dienste rechnen wir nicht weiter. Unsere Kunden bekommen eigene Konten bei den Anbietern und zahlen direkt dort. Das hat drei Vorteile:

  • Volle Transparenz: Jeder Aufruf steht in der Abrechnung des Anbieters, ohne Aufschlag.
  • Keine Abhängigkeit: Die Schlüssel liegen im System des Kunden, nicht bei uns. Endet die Zusammenarbeit, läuft alles weiter.
  • Kein Verwaltungsaufwand: Niemand schreibt Rechnungen über Cent-Beträge.

Die Konten richten wir gemeinsam ein. Die Zugangsschlüssel trägt der Kunde selbst in sein System ein, sie gehen nie per Mail oder Chat.

Kostenfallen vermeiden

  • Limits setzen: ein Monatslimit beim Anbieter und aufgeladenes Guthaben statt offener Abbuchung.
  • Das passende Modell wählen: In unserem Test zur Texterkennung war das mittlere Modell besser und günstiger als das große.
  • Nur nötige Aufrufe: Bilder vorher verkleinern und Ergebnisse speichern, statt sie neu zu berechnen.
  • Abos prüfen: Viele fertige Werkzeuge rechnen pro Monat oder pro Nutzer ab. Bei kleinen Mengen ist die Abrechnung nach Verbrauch oft günstiger.

So schätzen Sie Ihre eigenen Kosten

  1. Zählen, wie oft der Vorgang im Monat vorkommt.
  2. Für jeden Vorgang die Schritte aufschreiben: Bild, Text oder beides.
  3. Einen Testlauf mit 20 bis 50 echten Beispielen machen und die tatsächlichen Kosten aus der Abrechnung ablesen.
  4. Hochrechnen und ein Limit mit Puffer setzen.

Einen ersten Überblick, wo KI in Ihrem Betrieb Arbeit abnimmt, gibt der KI-Potenzial-Rechner.

Häufige Fragen

Was kostet eine KI-Anfrage?

Das hängt vom Modell und von der Menge ab. In unserem Beispiel kostet das Freistellen eines Fotos rund 0,35 Cent und das Auslesen eines Fotos mit einem Sprachmodell rund 0,1 Cent. Ein ganzer Erfassungsvorgang mit drei Schritten liegt bei rund einem halben Cent.

Brauche ich ein KI-Abo?

Für viele Abläufe nicht. Dienste wie Replicate oder Mistral rechnen nach Verbrauch ab, ohne monatliche Grundgebühr. Bei Replicate wird Guthaben im Voraus aufgeladen.

Wer zahlt die laufenden KI-Kosten?

Bei uns zahlt der Kunde direkt beim Anbieter, über ein eigenes Konto. Laufende Kosten rechnen wir nicht weiter.

Wie verhindere ich Kostenüberraschungen?

Mit einem Monatslimit beim Anbieter, aufgeladenem Guthaben statt offener Abbuchung und einem Testlauf mit echten Beispielen vor dem Start.

Stand November 2026. Kosten aus unseren Tests vom 2. November 2026, die Kosten der Sprachmodelle geschätzt nach Token-Verbrauch. Die Anbieter rechnen in US-Dollar ab, alle Beträge sind gerundet. Preise können sich ändern.